
Wie ein Geisterschiff liegt das ehemalig stolze Passagierschiff American Star an der Playa de Garcey vor Fuerteventura. Wenn sich die Passatwolken verdichten und wie eine Glocke über dem Meer hängen, verdunkelt sich der mystische Ort und ein schauriges Gefühl breitet sich bei dem Anblick aus: Die Küste vor der Kanareninsel wurde zum Grab des einst sehr berühmten Passagierdampfers, weil sich ein Abschlepptau löste, als sie führerlos von einem Schlepper an jenem
Tag, dem 18. Januar 1994, durch den Atlantik gezogen wurde. Doch der Kraft der Naturgewalt, bei Windstärke 12, konnte das Tau nicht standhalten, riss ab und die American Star strandete. Man munkelt es könnte Versicherungsbetrug gewesen sein und somit Absicht, denn die Glanztage früherer Zeiten hatte das Schiff längst hinter sich. Die zum Zeitpunkt des Unglücks 55 Jahre alte American Star wurde 1939 in Amerika erbaut und begann als „SS America“ mit einem Fassungsvermögen von mehr als 1.000 Fahrgästen ihre ruhmhaften Reisen durch die Ozeane dieser Welt. Im Jahr 1941 wurde sie zum Kriegsschiff umfunktioniert und diente nun unter dem Namen „USS Westpoint“ dem Zweck der Verschiffung amerikanischer Truppen und Kriegsgüter. Sie überstand den Krieg unbeschadet, wurde anschließend wieder umbenannt bzw. bekam ihren alten Namen zurück, die SS America. In den folgenden Jahrzehnten sollte sie die Weltmeere noch unter diversen anderen Namen bereisen. So hieß sie Italis, Noga, Alferdoss und seit 1993 schließlich American Star. Mit diesem Namen ging sie unter, der Zerfall ist unaufhaltsam, bei Flut kann man sie kaum erkennen, bei Ebbe ist deutlich sichtbar, dass sie in der Mitte durchbrach und ganze Löcher bereits vom Wasser und den Strömungen in den Schiffsrumpf gefressen wurden. Abenteuerlustigen Tauchern und Schwimmern sei gesagt: es hat schon einige ihresgleichen gegeben die ihr Leben im Inneren der American Star gelassen haben. Es besteht Lebensgefahr! Die Strömungen sind unberechenbar.